Mondkalender

Ernten und Verarbeiten nach dem Mond – bessere Haltbarkeit, mehr Aroma, wirksamere Inhaltsstoffe

Welche Rolle spielt der Mond beim Ernten und Verarbeiten der Früchte, Kräuter und Wurzeln für unseren Likör und dessen Lagerung?

Keine meinen Sie? Alles Unsinn oder vielleicht doch nicht? Vielleicht gehören Sie zu denjenigen, die dieses Thema in Frage stellen oder zumindest belächeln. Oder Sie haben sich damit noch nie befasst. Kein Grund, es nicht doch einmal zu tun. Ich selbst berücksichtige schon seit Jahren (zumindest soweit es sich in den Alltag von der Zeit und dem Wetter her integrieren lässt) bei allen möglichen Tätigkeiten den Mondkalender, ganz speziell natürlich beim Gärtnern, aber auch Ernten, Einlagern, Verarbeiten und Likör ansetzen.

Der Mond beeinflusst seit jeher das Leben auf unserer Erde und damit auch unser Leben. Er hat in Religion und Mythologie seit Jahrtausenden eine bedeutende Rolle gespielt. Man sah ihn als weiblichen Himmelskörper an und verehrte ihn in der Gestalt von Göttinnen. Auf der Erde nehmen wir die verschiedenen Mondphasen wahr: Neumond, zunehmender Mond, Vollmond und abnehmender Mond.

Hildegard von Bingen hat sich bereits vor 900 Jahren mit den Zusammenhängen zwischen den verschiedenen Mondzyklen und den damit verbundenen Auswirkungen wie Ebbe und Flut auf der Erde befasst. Da auch Pflanzen, Tiere und Menschen über einen Flüssigkeitshaushalt verfügen, stand für sie die restliche Natur ebenfalls im Wechselspiel mit den Mondphasen.

Es gibt zwischenzeitlich zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen und Experimente zum Einfluss der Mondrhythmen auf das Leben.
So wurden 1998 im Wissenschaftsmagazin Nature Ergebnisse von Experimenten mit Bäumen veröffentlicht. Darin beschreiben Schweizer Holzwissenschaftler, dass sich der Durchmesser von Bäumen im Rhythmus von Ebbe und Flut ändert – auch unter kontrollierten Bedingungen.
Die Wissenschaftler vermuten, dass der Mond den Wasseraustausch zwischen verschiedenen Teilen eines Baumes beeinflusst. (Nature 392, 665 – 666 (16 April 1998))
In weiteren Versuchen wurde ein Zusammenhang zwischen Mondphase und Keimung, bzw. dem Wirkstoffgehalt bei verschiedenen Gemüse- und Heilpflanzen gemessen.
Eine Getreideernte bei zunehmendem Mond kann die Quantität des Mehls steigern. Saatgut ausbringen und ernten sollte nur in der Phase des abnehmenden Mondes erfolgen. Ernten wir z. B. Kräuter bei zunehmendem Mond, sollten diese sofort weiterverarbeitet werden, da sie voll im Saft stehend nicht so lange haltbar sind. Getrocknet werden Kräuter hingegen bei abnehmendem Mond.

Neben den Mondphasen spielen auch noch das Tierkreiszeichen, das der Mond gerade durchläuft, die Jahreszeit, das Wetter und die Tageszeit und die zu sammelnden Pflanzenteile eine Rolle.
Die Kenntnis des richtigen Zeitpunktes vom Ernten, Lagern, Verarbeiten und Abfüllen ist also von besonderer Bedeutung, wenn es um die größtmögliche Heilkraft und Haltbarkeit von Pflanzen sowie Früchten geht.
Eine ausführliche Behandlung dieses Themas würde in diesem Rahmen zu weit führen.
Daher empfehle ich ihnen die in jedem Buchhandel erhältliche weiterführende Literatur. Meine Lieblingsbücher, nach denen ich mich richte sind:

Hier nur ein paar grundsätzliche Richtlinien und Tipps zum günstigsten Zeitpunkt:

Für das Sammeln von Kräutern ist generell der Frühling die beste Jahreszeit. Die jungen Pflanzen besitzen die größte Heilkraft und die Inhaltsstoffe lösen sich leichter.
Nun ist in der Regel die Heilkraft nicht gleichmäßig über die ganze Pflanze verteilt. In einer für Blüten günstigen Sammelzeit werden in der Wurzel weniger Wirkstoffe zu finden sein.
Einen Hinweis auf den jeweils günstigen Sammelzeitpunkt der einzelnen Pflanzenteile finden
Sie in jedem guten Heilpflanzenbuch.

Auch die beste Tageszeit richtet sich nach dem Sammelgut. Allerdings sollte das Wetter mitspielen, bei Regen und Kälte ist eine Ernte wenig sinnvoll. Prinzipiell gilt:

  • Wurzeln morgens und abends
  • Blätter und Blüten vormittags bei Sonnenschein, wenn der Tau getrocknet ist (nicht in der Mittagshitze). Blüten müssen für volle Wirkung voll entfaltet.
  • Früchte und Samen ganztags, aber nicht in der prallen Mittagssonne und sofern sie frei von Tau sind.

Eine große Rolle spielt der Mondstand im Tierkreis. Als Faustregel gilt: „Ein Heilkraut, gesammelt zur Heilung oder Kräftigung  jener Körperregion, die von dem Tierkreiszeichen des Erntetages regiert wird, hilft  besonders gut.“ (Vom richtigen Zeitpunkt von Paungger/Poppe, 11. Auflage, S. 71)

Wollen Sie bspw. etwas gegen Bronchitis tun, pflücken Sie Thymian, Efeu oder ein anderes Hustenmittel an einem Tag, an dem der Mond im Zeichen Krebs steht. Bei Nierenbeschwerden ernten Sie z. B. Ackerschachtelhalm an einem Waagetag. Der Mond im Skorpion oder Vollmond (unabhängig vom Tierkreiszeichen) bedeutet gute Sammeltage für alle Kräuter.

Nun ist es aber etwas mühsam und mitunter aus Zeitgründen auch nicht möglich, den Mondstand
im Tierkreis zu beachten. Einfacher ist es, sich nach dem richtigen Sammelzeitpunkt der einzelnen
Pflanzenteile zu richten.

  • Wurzeln – Ausgaben im zeitigen Frühjahr oder im Herbst, bei Vollmond oder abnehmenden Mond, vor Sonnenaufgang oder am späten Abend, bei absteigendem Mond oder an Wurzeltagen (Steinbock, Stier, Jungfrau).
  • Blätter – fast ganzjährig möglich, sofern es sich um junge Pflanzen vor der Blüte handelt. Der Morgentau sollte verdunstet sein, also am besten vormittags pflücken. Bei zunehmenden Mond (zw. Neu- und Vollmond) sammeln, alternativ bei aufsteigendem Mond (Schütze bis Zwilling) oder an Blatttagen (Krebs, Skorpion, Fische). Skorpion eignet sich für alle Kräuter. Sie besitzen dann eine besondere Heilkraft und können bestens getrocknet und gelagert werden. An Krebs oder Fische geschnittene Blätter sollten sofort verwendet werden. (Ausnahme Brennessel – nur bei
    abnehmendem Mond sammeln und auch nur dann Brennesseltee trinken).
  • Blüten – i. d. R. sind Frühjahr und Sommer der beste Zeitpunkt, wenn die Pflanze in voller Blüte steht. Pflücken Sie an einem sonnigen, zumindest warmen Tag, kurz vor Mittag. Dann enthält die Blüte die meisten Heilstoffe. Bei zunehmenden Mond oder Vollmond, alternativ bei aufsteigendem Mond (Schütze bis Zwilling) sammeln. Blütentage (Zwillinge, Waage, Wassermann) sind ebenso geeignet. Bei Vollmond spielt das Tierkreiszeichen keine Rolle. Sollen die Blüten nach der Ernte getrocknet werden, eignet sich auch der abnehmende und aufsteigende Mond.
  • Früchte und Samen – im Sommer oder Herbst, wenn diese reif aber noch fest sind (nicht grün oder pappig). Nur bei trockenem Wetter ernten, die Tageszeit ist dann eher nebensächlich, die Mittagshitze besser meiden. Früchte und Samen bei zunehmendem Mond sofort verarbeiten. Zum Lagern und Konservieren eignet sich der aufsteigende Mond (Schütze bis Zwillinge) am besten. Gute Erntetage sind die Fruchttage (Widder, Löwe, Schütze). Meiden Sie Steinbock, Fisch, Krebs und Jungfrau.
    Beachten sollten Sie auch den Zeitpunkt der Berührung. Durch Berühren übertragen wir Energien und erzielen damit (gewollt oder ungewollt) eine Wirkung. Der Eine oder Andere kennt das Prinzip sicher vom Reiki.

Bei zum falschen Zeitpunkt geerntetem Obst oder eingelagerten Kartoffeln kann oftmals ein vorzeitiges Verderben beobachtet werden. Durch Umlagern desselben zum richtigen Zeitpunkt ist durchaus noch einiges zu retten. Das können Sie sich auch beim Einlagern von gekauftem Obst und Gemüse zu nutze machen. Denn hier können Sie zwar nicht den Erntezeitpunkt beeinflussen, durch „mondgerechtes“ Lagern aber durchaus die Haltbarkeit verbessern.

Das war jetzt eine ganze Menge (verwirrende?) Theorie. Deshalb fragen Sie sich womöglich, wann genau ich nun meinen Likör herstelle?
Konservieren, Einmachen und Einlagern ist besonders günstig bei aufsteigendem Mond. Das Obst für Marmelade, Säfte oder eben auch für Likör ist viel saftiger, das Aroma ist voller und die Haltbarkeit der hergestellten Produkte ist größer. Zum Ernten und Konservieren sind somit Widdertage besonders ideal.
Widdertage wähle ich auch bevorzugt für das Ansetzen und Abfüllen von Likör. Aber es lässt sich aus den verschiedensten Gründen nicht immer so passgenau einrichten. Dann weiche ich auf die anderen Fruchttage aus – Schütze (Wendepunkt zwischen auf- und absteigender Kraft) und Löwe.

Heilkräuter haben meist vielfältige Wirkungen, so dass ich mich nicht nur auf eine ihrer Heilkräfte konzentriere. Deshalb richte ich mich beim Sammeln und Verarbeiten weniger nach dem Mondstand im Tierkreis, das immer einer bestimmten Körperregion zugeordnet ist, sondern nach dem zu sammelnden Pflanzenteil.
Daher lege ich das Herstellen von Heilschnäpsen, Tinkturen oder Salben möglichst auf Skorpiontage
oder auf Vollmond. Verwende ich nur die Blüten, nutze ich dafür auch gern Blütentage (Zwillinge).

Warum sollten wir das Wissen und die Erfahrungen von Generationen vor uns nicht auch für das Ansetzen von Fruchtlikören, Heilschnäpsen oder Tinkturen nutzen? Längere Haltbarkeit, volleres Aroma, größere Heilkraft, mehr Inhaltsstoffe in den Ansatzfrüchten und Kräutern – alles gute Gründe, um sich ein wenig am Mondkalender zu orientieren.

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