Zucker

Der im Handel erhältliche Likör enthält meist reichlich Zucker (der Gesetzgeber schreibt dafür sogar eine Mindestmenge vor). Und schließlich mögen Likörliebhaber ja gerade den süßen Geschmack.

Doch mit (zu)viel Zucker tun wir unserer Gesundheit und unserem Körper nicht gerade Gutes. Es gibt allerdings auch (gesündere) Alternativen zum meist verwendeten weißen Haushalts- oder Invertzucker, die sogar für ein besonderes Aroma sorgen. Wer seinen Likör selbst ansetzt, ist in der Wahl des Süßungsmittels und dessen Menge ja frei. Also warum nicht auch einmal etwas experimentieren?

Schauen wir uns  Zucker und alternative Süßungsmittel doch einmal näher an:

Die Geschichte des Zuckers begann vor über 6000 Jahren. Ursprünglich ausschließlich aus Zuckerrohr gewonnen, war Zucker ein seltenes Gut, das in Gold aufgewogen wurde. Bis vor ca. 200 Jahren die erste Zuckerrübenfabrik gebaut wurde und in Europa der aus Zuckerrüben gewonnene Zucker langsam den Rohrzucker verdrängte.
So rar und kostbar Zucker früher war, heute ist er aus unserer Ernährung nicht mehr wegzudenken.
Leider steckt er in seiner ungesündesten, d. h. raffinierten Form als weißer oder braun gefärbter Haushaltszucker in fast allen unseren Lebensmitteln. Dabei spielt es keine Rolle, ob der Zucker aus Zuckerrohr oder Zuckerrüben gewonnen wurde. All seiner natürlichen Inhaltsstoffe durch die Raffinade beraubt und noch dazu in rauen Mengen konsumiert, schadet er nachweislich unserer Gesundheit.
Doch ein Fruchtlikör ohne Süßstoff ist nun mal kein Likör. Wir lieben nicht nur den süßlichen
Geschmack, sondern Zucker konserviert auch. Ein zuckersüßes Dilemma oder doch nicht?
Es gibt diverse Möglichkeiten, Likör zu süßen.
Ich habe mit verschiedenen Hobby- aber auch professionellen Likörherstellern gesprochen. Viele verwenden herkömmlichen Haushaltszucker, zum Teil sogar im Verhältnis 1:1 mit den Früchten.
Andere nehmen Kandiszucker, Ahornsirup oder Honig. Ich selbst verwende sehr maßvoll Vollrohrzucker
(Achtung: nicht den lediglich mit Sirup eingefärbten braunen Zucker) und habe auch Honig, Löwenzahnsirup und Stevia probiert. Die hier im Blog von mir veröffentlichten Rezepte enthalten aber fast nur Vollrohrzucker.
Denn der ist zumindest noch etwas „gesünder“ als raffinierter Haushaltszucker und der Likör gewinnt durch sein einzigartiges, typisches Aroma.
Wodurch unterscheiden sich nun Vollrohrzucker,  raffinierter Zucker und andere Süßungsmittel?
Vollrohrzucker wird aus dem Saft des Zuckerrohrs gewonnen. Zuckerrohr steckt voller Energie, Mineralien, Spurenelemente und Vitamine. Der aus ihm herausgepresste, noch unraffinierte Saft enthält ebenfalls alle diese wertvollen Inhaltsstoffe. Das verleiht ihm auch seinen typisch aromatischen Geschmack.

Ursprünglich wurden in den Anbaugebieten wie Südamerika oder den Philippinen die Zuckerrohrstängel
mit der Machete geerntet und anschließend gepresst. Heute wird das nur noch im Naturkostsektor praktiziert. (Beim konventionellen Anbau wird das Feld abgebrannt, damit nur die zuckerhaltigen Stängel stehen bleiben. Diese werden dann maschinell geerntet.) Der gewonnene Saft wurde ausschließlich in offenen Kesseln unter ständigem Rühren gekocht, bis er eingedickt war. (Nur dadurch erhält er seine Süßkraft.) Die Masse ließ man anschließend abkühlen bis sie zu Körnchen erstarrt war. Fein zermahlen kennen wir das Ergebnis heute unter der Bezeichnung Vollrohrzucker.
Heutzutage wird Vollrohrzucker vor allem im Bioanbau nach dieser uralten, traditionellen und schonenden Methode wieder hergestellt, d. h. auch unter völligem Verzicht auf Chemikalien.
Als Hauptunterschied zum weißen Haushaltszucker enthält Vollrohrzucker noch alle Bestandteile des Zuckerrohrsaftes, wenn auch zerkocht und damit nicht mehr in so wertvoller Form. Bei der Herstellung von weißem Kristallzucker werden diese entfernt. Genau in jenem Teil (Melasse) stecken jedoch alle einst so wertvollen Stoffe aus dem Zuckerrohrsaft. Die Zuckerindustrie bezeichnet Melasse als „Verunreinigung“ und behandelt den Vollrohrzucker so lange, bis er nur noch aus weißen Zuckerkristallen besteht.
Bei diesem Vorgang der Raffination kommen etliche Chemikalien zum Einsatz, wie Klär- und Reinigungsmittel (z. B. Chlor und Schwefeldioxid), Antischaumbildner, Bleichmittel und Stoffe, die eine Belagbildung auf den Verdampferheizflächen verhindern sollen. Dass davon Rückstände im weißen Zucker verbleiben, ist nicht auszuschließen. In der anderweitig genutzten Melasse sind sie aber auf jeden Fall drin.
Unserem raffinierten, strahlend weißen, kristallinen Haushaltszucker fehlen also genau jene Vitalstoffe, die für eine gesunde Ernährung und unseren Körper so wichtig wären. Vorsicht auch bei braunem Rohrzucker. Dieser ist oft nur eingefärbt.
Auch Roh-Rohrzucker wird Raffinadeschritten unterzogen, allerdings  nicht ganz so extrem wie der weiße Haushaltszucker.

Kandiszucker besteht aus Zuckerkristallen von unterschiedlicher Größe und Farbe. Er entsteht
durch das langsame Auskristallisieren von reiner Zuckerlösung. Um braunen Kandis zu erhalten,
wird karamellisierter Zucker zugefügt. Kandis hat die gleiche Süßkraft wie Raffinade und ist kein bisschen gesünder. Manche schwören aber auf den karamellartigen Geschmack von braunem Kandis.
Invertzucker ist ein Gemisch aus Trauben- und Fruchtzucker. Er entsteht bei der Spaltung von Saccharose durch Säuren oder Enzyme. Diese Art von Zucker kommt in vielen süßen Früchten und im Honig vor. Sie wird in Kunsthonig, Marmeladen, Zuckerwaren, Likören und Sirup verwendet.
Sirup, z. B. Ahorn- und Rübensirup oder Birnendicksaft, wird durch mehrmaliges Kochen des Saftes hergestellt. Er besteht zu einem hohen Anteil aus Zucker (Ahornsirup zu 65 Prozent, Rübensirup zu 62 Prozent, Birnendicksaft zu 78 Prozent) und ist damit bei übermäßigem Genuss auch nicht gesünder. Sein Plus ist der recht hohe Anteil an Mineralstoffen.
Honig war lange Zeit das einzige Süßungsmittel. Er ist ein von Honigbienen zur eigenen Nahrungsvorsorge
aus dem Nektar von Blüten oder Honigtau erzeugtes Lebensmittel und besteht aus etwa 200 verschiedenen Inhaltsstoffen. Lt. Wikipedia kann die Zusammensetzung  je nach Honigsorte sehr unterschiedlich sein. Die mengenmäßig wichtigsten Inhaltsstoffe sind Fruchtzucker (27 bis 44 %), Traubenzucker (22 bis 41 %) und Wasser (ca. 18 %). Weitere typische Inhaltsstoffe sind andere Zuckerarten, Pollen, Mineralstoffe, Proteine, Enzyme, Aminosäuren, Vitamine, Farb- und Aromastoffe. Honig kann flüssig oder auch fest (kristallisiert) sein. Dies hängt hauptsächlich von dem Verhältnis der beiden Einfachzucker Frucht- und Traubenzucker
zueinander ab, aber auch davon, wie der Honig weiterverarbeitet und gelagert wird.
Hier ein kleiner Überblick zum Mineralstoffgehalt je 100 g Honig, Vollrohrzucker und weißem Industriezucker: (alle Angaben in mg)

Honig Vollrohrzucker weißer Industriezucker
Calzium 35,0 80,3 2,0
Eisen 0,8 2,5 0,2
Magnesium 0,0 15,5 0,0

Wie Sie sehen, ist Vollrohrzucker reich an Mineralien. Doch leider ist deren Qualität gegenüber dem frischen Zuckerrohrsaft wesentlich geringer. Der Grund liegt im Erhitzen des Saftes. Das gilt allerdings auch für alles andere, was erhitzt wird, wie Ahornsirup, Apfel- oder Birnendicksaft, Zuckerrübensirup, Reissirup und vieles mehr.

Eine Alternative wäre Stevia rebaudiana, auch Süßkraut, Süßblatt oder Honigkraut genannt. Sie ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Stevien (Stevia) in der Familie der Korbblütler (Asteraceae). Auf Wikipedia ist zu lesen, dass diese Pflanze seit Jahrhunderten bekannt ist und als natürlicher Süßstoff bezeichnet werden kann. Ursprünglich aus Südamerika stammend, werden ihre Inhaltsstoffe vor allem in Asien als Zuckerersatz genutzt. In der EU sind sie zurzeit nicht als Lebensmittel oder Lebensmittelzusatzstoff zugelassen. Stevia finden Sie in der Gartenabteilung eines jeden Baumarktes oder Sie beziehen sie über den Gartenversand.

Ein Versuch ist es sicher Wert, seinen Likör auf diese Weise zu süßen. Ich konnte ich mich jedoch nicht durchringen, bei meinen Liköransätzen ganz auf Vollrohrzucker zu verzichten. Stattdessen habe ich die Zuckermenge reduziert und ggf. frische Steviablätter zugegeben. Auch Honig nehme ich gelegentlich und – wenn ich vorrätig habe – selbst gemachten Löwenzahnsirup (hier profitieren Sie gleich doppelt: vom super Aroma und den Wirkstoffen der Löwenzahnblüten).
Sie müssen für sich selbst entscheiden, welche Süßungsart Ihnen am meisten zusagt. Probieren Sie doch verschiedene Varianten aus und lassen Sie sich von den geschmacklichen Variationen überraschen.
Im privaten Bereich sind Sie ja frei zu experimentieren. Für die gewerbliche Herstellung schreibt – wie eingangs schon erwähnt – der Gesetzgeber jedoch die Zuckermenge vor. So soll ein Fruchtlikör mindestens 100 g Zucker pro Liter enthalten, Schwarzer Johannisbeerlikör sogar 400 g. Ganz ohne Zucker geht es hier also nicht.


Share and Enjoy:
  • Digg
  • Facebook
  • Twitter
  • Live
  • blogmarks
  • MisterWong
  • RSS
  • Yahoo! Bookmarks
Das könnte Sie interessieren
Infoletter
Verpassen Sie ab sofort kein neues Rezept mehr. Einfach beim kostenlosen Infoletter anmelden und als Dankeschön 30 Etiketten downloaden:
Name:
Quittenrezepte
Eine Sammlung von 51 Quittenrezepten mit und ohne Alkohol zum Download gibt es nur hier: Quittenrezepte
Das könnte Sie interessieren
Blog Kräuterrezepte

Ergänzend zu Likoerideen mein neuer Blog rund um die Themen (Wild-)Kräuter, Gewürze und Wildfrüchte.
Hier finden Sie immer wieder neue Rezepte, Wissenswertes bspw. zu den hier für die Liköre verwendeten Gewürzen und Kräutern, Ernte- und Verarbeitungstipps, interessante Links und vieles mehr.

Kraeuterrezepte